Die unsichtbare Leine: Orientierung und Vorbildfunktion zwischen Hund und Mensch

Die unsichtbare Leine: Orientierung und Vorbildfunktion zwischen Hund und Mensch

Wann

26. August 2026    
16:00 - 18:00

Buchungen

CHF 97.29

Wo

GABO Marti
Sonnmattstrasse 1, Neuenkirch, 6206

Veranstaltungstyp

Karte nicht verfügbar

Ein harmonisches Zusammenleben mit einem Hund basiert selten auf starren Kommandos oder purem Gehorsam. Vielmehr ruht es auf einem Fundament, das man im Alltag oft gar nicht sieht, aber in jedem Moment spürt: Orientierung und Vorbildfunktion. Hunde sind hochsoziale Lebewesen und Meister darin, unsere Körpersprache, unsere Stimmung und unsere Reaktionen zu lesen. Sie spiegeln uns wider – im Guten wie im Schlechten.

Der Mensch als sicherer Hafen

Orientierung bedeutet für einen Hund, sich in einer komplexen, von Menschen gemachten Welt zurechtzufinden. Ein Hund, der gelernt hat, sich an seinem Menschen zu orientieren, sucht in unklaren Situationen den Blickkontakt. Er fragt nach: „Du, da vorne ist etwas Unbekanntes – wie gehen wir damit um?“

Damit diese Orientierung funktioniert, muss der Mensch die Rolle des verlässlichen Vorbilds einnehmen. Das hat nichts mit dominanter Härte zu tun, sondern mit souveräner Gelassenheit.

  • Sicherheit durch Ruhe: Reagiert der Mensch in einer stressigen Situation (wie einer Hundebegegnung oder bei Gewitter) nervös, hektisch oder laut, bestätigt er die Skepsis des Hundes. Bleibt das Vorbild Mensch jedoch ruhig und Atmet tief durch, signalisiert das dem Hund: „Ich habe alles im Griff, du bist sicher.“
  • Klarheit und Berechenbarkeit: Hunde lieben Rituale und verlässliche Strukturen. Wenn wir heute Hü und morgen Hott sagen, verliert der Hund die Orientierung. Ein gutes Vorbild zeichnet sich durch faire Konsequenz aus.

Orientierung ist keine Einbahnstraße

Sich aneinander zu orientieren bedeutet auch, dass wir als Menschen unseren Hunden Aufmerksamkeit schenken. Wer beim Spaziergang nur aufs Smartphone starrt, darf sich nicht wundern, wenn der Hund seine eigenen Wege geht und die Orientierung an uns verliert.

Echte Orientierung entsteht durch gemeinsame Erlebnisse, durch Blickkontakt, der erkannt wird, und durch das gemeinsame Meistern von Herausforderungen. Wenn der Hund merkt, dass es sich lohnt, auf seinen Menschen zu achten – weil dort spannende Aufgaben, Schutz und Zuwendung warten –, wird die physische Leine oft nebensächlich.

Das Ziel: Wir können von unseren Hunden nicht erwarten, dass sie in stürmischen Zeiten die Ruhe bewahren, wenn wir selbst der Sturm sind. Wer möchte, dass sein Hund sich an ihm orientiert, muss selbst die Richtung vorgeben – nicht mit Druck, sondern mit innerer Stärke, Empathie und einer klaren Körpersprache. Am Ende des Tages gilt: Wir bekommen nicht immer den Hund, den wir wollen, aber oft den Hund, den wir als Vorbild gerade brauchen und von ihm lernen dürfen.

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